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T anzgeschichte
des Boogie Woogie, Lindy Hopp und Jive Rock'n'Roll Als die Afrikaner um die Jahrhundertwende als Sklaven nach Amerika verschleppt wurden, waren sie gezwungen, weiße Sitten und Künste anzunehmen. Unter den Qualen der Sklaverei schufen sie eine vollkommen neue Ausdrucksmöglichkeit der Musik. Sie schufen Worksongs, Gospels, Sprirituals, den Blues. Passend zur Musik verbanden die Sklaven, für die der Tanz ursprünglich rein religiöser Natur war, ihr Bewegungstalent und Rhythmusgefühl mit den europäischen Paartanzen. Man kann annehmen, daß die Geschichte des Boogie Wooogie mit der Entstehung neuer Tanz- und Musikarten begann. Um 1860 wurde erstmalig "offen" getanzt. Diesen Tanz nannte man Virginia-Tanz. Auf der Weltausstellung 1893 in Chicago kamen die Tänze im Ragtime-Stil und um 1900 der sogenannte Chicken-Wheel-Tanz auf. Der Breakaway, als weiterer wesentlicher Vorläufer des Boogie Woogie, ist ein Paartanz auf Charleston und Swing-Musik, bei dem sich die Partner während des Tanzens aus der Tanzhaltung lösten und Soloschritte tanzten. Im Jahre 1927 begeisterte ein junger Tänzer namens Shorty George Snowden mit diesem Tanz bei einem Marathontunier die Zuschauermassen. Kurz davor endete Lindbergh's grandioser Alleinflug über den Atlantik. Die große Überschrift in den Zeitungen lautete: "Lindy Hops the Atlantic". Für die Menschen damals war das wie für uns die Landung des ersten Menschen auf dem Mond. Als ein Reporter nun Shorty fragte, wie der Tanz heißt, den er dort getanzt hat, antwortete er ihm mit: "Lindy Hop. I'm doing the Lindy Hop".
Die Lindy Showgruppe des New Yorker Savoy Ballroom ("home of happy feet"), Whitey's Lindy Hoppers, begann 1934 in Amerika und Europa zu touren und legte den Grundstein für die wachsende Begeisterung, die nach dem Charleston zur zweiten nationalen Tanzeuphorie führte und 1938 seinen Höhepunkt hatte. Lindy Hop ist ein freier Partnertanz, der Einflüsse aus dem Charleston, dem Step-Tanz und den Jazztänzen hat. 1934 bekam der Lindy Hop durch Cab Calloway's berühmten Song "Jitterbug" einen zweiten Namen, unter dem er auch seine größte Bekanntheit erlangte. Die Übersetzung ins Deutsche lautet wörtlich übersetzt "Zitterkäfer", was dem Eindruck entsprach, den ein Zuschauer hatte, wenn er Lindy Hooper beim Tanzen sah.
Die Swing-Musik hat ihren Anfang in den schwarzen New Orleans Bands der 30er Jahre. Der Swing, der als Musik und Tanz gleichermaßen ab 1935 in Europa populär wurde, hatte den Grundschritt des Blues übernommen, war jedoch einerseits durch sein weiches Fließen und andererseits durch seine motorische Härte eine Form des Überhangs geblieben. Der große Durchbruch der Swing-Musik kam 1934 als ein weißer Bandleader, Benny Goodmann, sein berühmtes Konzert in der Carnegie Hall gab und die Massen von ihren Stühlen riß. Am nächsten Tag war New York im Swing-Fieber. Den Rest für eine endgültige Musik- und Tanzeuphorie tat natürlich Hollywood.
Die Afro-Amerikaner bereicherten bei ihren Festen den Tanz und führten aus Lust, Laune und Freude am Tanz auch volkstümliche Elemente wie Kicks, Sprünge, Handstände, Purzelbäume und Hebungen in den Grundschritt ein. Der Improvisation, der Figurenvariation, dem persönlichen Ausdruck waren keine Grenzen gesetzt. Auf den Marathon-Tanzwettbewerbe zu jener Zeit, tanzten Paare mit kurzen Pausen oft tagelang, um den ausdauerndsten Tänzer zu ermitteln. Dabei erwiesen sich der alte Lindy Hop bzw. Jitterbug als die geeignetsten Tanzarten. Es war hauptsächlich der schwarze Tänzer Bill Robinson, der diesen Tanzstil prägte und unaufhörlich neue Figuren erfand, die dann auch von anderen Paaren aufgenommen und verändert wurden. Durch große Musikfilme aus Hollywood und ihren mitwirkenden Tänzern, wie Fred Astair mit Partnerinnen wie Tape Miller und die Nichola Brothers wurde der Boogie Woogie als Tanz- und Musikstil weltbekannt. 1937 fand die Verbreitung von Swing und Boogie durch die Herren Lafort und Lyett-Poigt in Belgien und Frankreich statt.
Ab 1954 wurde der Boogie Woogie durch die große Beliebtheit der aufkommenden Rock'n' Roll-Musik und dem daraus entstehenden Tanz aufgesogen. Der Name bedeutet wörtlich übersetzt Wiegen und Rollen, nach einem alten Negerwort. Ein Diskjockey, Alan Freed, behauptete 1951, den Namen Rock'n' Roll erfunden zu haben, um die schwarze Musik den weißen Hörern besser verkaufen zu können.
Der Rock'n' Roll war zunächst nichts anderes als ein neuer Name für die populäre schwarze Musik, für den städtischen Rhythm 'n' Blues der Neger, jedoch wurde er erst 1954 durch den Film "Saat der Gewalt" mit Bill Haley's "Rock around the Clock" zur großen Revolution in Europa. Das Wort Rock'n' Roll hatte im Slang der Neger auch eine eindeutig sexuelle Bedeutung. "Good Rocking Tonight" oder "Rocking and Rolling All Night" waren berühmte Titel der Bluesmusik. Auch auf Musik und Tanz übertrug sich diese sexuelle Bedeutung und hatte auch da den Zweck, Rausch und Ekstase zu erzeugen. Nicht unwesentlich am Siegeszug des Rock'n' Roll waren außer Bill Haley Musikinterpreten wie Elvis Presley, Ray Charles, Fats Domino, Jerry Lee Lewis und Chuck Berry beteiligt. Motiviert durch die Faszination der Musik und die darin verkörperte Lebensfreude, zog in den 50er Jahren der Rock'n' Roll eine wahre Modewelle mit Röhrenhosen, Ringelsöckchen, Petticoat, Pferdeschwanz und Schmalzlocke nach sich. Die wilde Ekstase des Rock'n' Roll-Tanzes versuchten Tanzlehrer Nordamerikas und Europas aufzufangen, indem sie einen gepflegten Boogie zu Rock'n' Roll-Musik vermittelten. 1957 wurde vom italienischen "Clan Bruno Dossena" und dem Tanzlehrer Umberto Gallone aus Mailand der Sprungschritt eingeführt. 1959 ging die erste Rock'n' Roll-Welle zu Ende. Twist, Beat und andere neue Modetanzformen brachten den Rock'n' Roll um seine Popularität. Trotzdem konnte er sich in der Sehnsucht nach ekstatischer Befreiung durch Musik und Tanz als die lebensfähigste beliebteste Tanzform der letzten dreißig Jahre durchsetzen. Der Anfang der 70er Jahre brachte die große Renaissance der Rock'n' Roll-Musik. In der Nostalgie lebte die Musik eines Bill Haley, Elvis Presley, usw. wieder auf. Rock'n' Roll zählte ab 1974 wieder zu den beliebtesten Modetänzen. Anfang der 80er Jahre, als sich der Rock'n' Roll immer mehr zum Hochleistungssport entwickelte, wurde der Boogie Woogie (ohne Akrobatik getanzt) wieder entdeckt. Von da an begann man Turniere abzuhalten und Clubs zu gründen. Der Bekanntheitsgrad des Boogie Woogie nahm seither immer mehr zu und wurde 1987/88 der Tanzsport des Jahres. Damit blickt der Boogie Woogie auf eine über 60 Jahre bewegte Geschichte zurück. Im März 2000: Ruedi Wenger
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